Montag, 16. Mai 2022

Fünf (kleine) Positiv-Nachrichten aus Zeuthen

Vieles geht in Zeuthen scheinbar nicht voran, immer noch wird Natur eher zerstört statt zusätzlich geschützt. Bei all der durchaus berechtigten Kritik gehen manchmal Dinge unter, die vielleicht nicht die Dimensionen von Schulneubauten oder Tunnellösungen haben, aber dennoch unseren Ort positiv beeinflussen.

1. Das ehrenamtliche Engagement in Zeuthen ist trotz (oder wegen) zwei Corona-Jahren ungebrochen hoch. Zur Belebung Zeuthens hat auch "Zeuthen Open Streets" beitragen, dass bisher in der Miersdorfer Chaussee durchgeführt wurde. Am 11.6. findet es nun zum ersten Mal auf dem Siegertplatz statt, um auch dort neue Impulse zu setzen. Der von einem privaten Spender finanzierte Gastro-Pavillon wartet noch immer auf seine Fertigstellung, die Verpachtung durch die Gemeinde konnte bislang nicht erfolgen. Open Streets will dabei auch mit den Bürgern diskutieren, was sie sich hier wünschen. Mehr unter https://bike2ber.de/zeuthen-os/

PS: In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch einmal den Team von "Zeuthen Open Streets" gratulieren, die am 2.Mai im "Innenstadtwettbewerb 2021/22" in der Kategorie „Lebendige Innenstadt – Aktionen, Kampagnen, Events“ in Kommunen unter 20.000 Einwohner den mit 8.000 Euro dotierten 2.Platz belegten. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für das Engagement!

Noch immer ist nicht klar, wann der Pavillon fertiggestellt und wer hier Mieter wird.

2. Ebenso von großen ehrenamtlichen Engagement ist die Arbeit der Zeuthener Ortsgruppe vom NABU geprägt. Die Mitwirkendenzahl konnte hier binnen zwei Jahren auf einen erstaunlich hohen, zweistelligen Wert vergrößert werden. Angeführt von Julianne Bauer konnten bestehende Projekte reaktiviert und verstetigt (NSG Höllengrund-Pulverberg, Krötenschutzzaäune) und neue Ziele ins Auge genommen werden (Wiedervernässung der Flutgrabenaue an der Grenze zu Schulzendorf/Schönefeld). Auch der Feuchtbiotop-Erhalt im Kienpfuhl läuft inzwischen mit der Gemeinde gut abstimmt. Zuletzt konnten mehrere hundet Kubikmeter Wasser in die Fläche geleitet werden (siehe Foto unten). In welchem Maß dies genau den bedrohten Populationen genutzt hat, wird sich wohl erst langfristig zeigen. Aktuelle Sichtungen des NABUs haben zumindest erfreuliches gezeigt: Der streng geschützte, bedrohte Kammmolch ist hier nach wie vor anzutreffen. Auch hier vielen Dank an die Ehrenamtlichen!

Im April wurde auf Vermittlung der Gemeinde Wasser in den Kienpfuhl eingespeist. Aufgrund der trockenen Frühjahrswochen eine sehr gute Entscheidung.

3. Die Sanierung des im Gemeindeeigentum befindlichen Hauses im Forstweg 30 ist gestartet. Ursprünglich sollte es nach der Fertigstellung des "Güterbodens" verkauft werden. Eine Vielzahl von lokal tätgen Vereinen und Initiativen hat hier inzwischen ihr Domizil gefunden, da der Güterboden entweder belegt und räumlich nicht geeignet ist. Deshalb soll der "Forstweg 30" nun mit überschaubaren Mittel Schritt für Schritt saniert werden. Den Anfang macht das Dach. Hier gab es unterschiedliche Anregungen von Nutzern und Naturschützern, die - so scheint es jetzt jedenfalls - auch weitgehend  berücksichtigt werden. Der Dachraum soll auch weiterhin Fledermäusen zugänglich sein. Ebenso werden wieder Biberschwanzziegel verwendet, die schönen Dachgauben bleiben erhalten.

Der Forstweg 30 soll als Vereinshaus auch weiterhin sozialen Projekten dienen.

4. Nach langer, sehr langer Zeit hat die Gemeinde nun die ersten beiden öffentlichen Elektro-Ladesäulen am Rathaus (Schillerstraße 1) und an der Rathausnebenstelle (Schillerstraße 57/58) in Betrieb genommen. Da der Verkauf von Strom durch die Gemeinde selbst erhebliche finanztechnische Probleme verursacht hätte (Zeuthen hat kein eigenständiges wirtschaftliches Unternehmen), wurde durch die Verwaltung eine kostenfreie Abgabe vorgeschlagen. Zwecks fehlender Alternativen haben die Gemeidevertreter dies auch "durchgewinkt". Erst im Nachgang wurde deutlich, dass dies nicht der richige Wege sein kann - auch wenn man weitere Anbieter dazu ermutigen möchte weitere Säulen in Zeuthen zu errichten (ich übe mich hier auch in Selbstkritik!). Kurzfristig hat jetzt die Verwaltung doch noch eine Lösung gefunden, wie die Säulen entgeltlich betrieben werden können. Damit steigt auch die Hoffnung, dass bald weitere Ladesäulen entstehen: Zeuthen hat im März eine Förderzusage für vier weitere Ladesäulen erhalten. Man steht jetzt jedoch vor der Herausforderung, diese bis Ende 2022 errichten zu lassen.

5. Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau zwei weiterer Mehrfamilienhäuser in der Heinrich-Heine-Straße soll es zu einem Infrastruktur-Ausgleich an die Gemeinde kommen. Neben drei kleineren Maßnahmen im direkten Umfeld wurde nun auf Vorschlag der Verwaltung auch die Errichtung einer Steganlage am Chinesischen Garten vorgeschlagen, um den Besuchern noch mehr "Wassererlebnis" zu bieten. Dazu sollte man Wissen: Bereits bei seinem Bau 2009 sollte der Garten charakteristische Steganlage in Halbkreisform bekommen. Diese wurde jedoch aus Kostengründen weggelassen.

Die damals vom Landschaftsarchitekturbüro Levin-Monsigny (Berlin) vorgeschlagene Variante hat durchaus Charme. Innerhalb des Halbkreises könnte auch eine geschützte Schilfzone etabliert werden. Leider gibt es solche für die Wasserklärung und als Lebensraum wichtige Vegetation am Westufer des Zeuthener Sees kaum noch! Wir haben eine Schilfschutzzone zumindest im Ortsentwicklungsausschuss am 10.5. angeregt.

Die Zickzackbrücke war geplant, wurde aber bislang nicht realisiert. Sie könnte zum Erhalt von Schilf am Ufer beitragen. Auf die "Blütenboote" kann man dagegen verzichten. (Quelle: Schrift zur Eröffnung des Chin. Gartens/Levin-Monsigny LA, Berlin)

Realistischer Zeitplan für zweite Grundschule vorgelegt - Zwischenlösung dringlicher denn je

Unserer Kritik an den bisherigen, viel zu optimistischen Zeitplänen wurde durch die Verwaltung endlich Rechnung getragen. Im Schul-Ausschuss am 12.5. wurde ein neuer Plan für die zweite Grundschule in freier Trägerschaft - konkret die Evangelischen Schulstiftung in der EKBO - vorgelegt (siehe Grafik). Demnach wäre ein Bezug der neuen Schule in der Schillerstraße zum Schuljahr 2026/27 möglich.

Zeitplan für die zweite Grundschule (Quelle: Gemeinde Zeuthen)

Dies wäre natürlich viel zu spät, um Abhilfe bei den hohen Grundschülerzahlen zu schaffen, die nach aktueller Schulentwicklungsplanung (SEP) des Landkreises Dahme-Spreewald bis zum Ende des Schuljahres 2025/26 zu erwarten sind. 

Aus diesem Grund sind wir erfreut, dass die Verwaltung sich inzwischen ebenso unserem Vorschlag nach einer Interimslösung für Evangelische Schule angeschlossen hat. Nur durch diese wird es möglich sein, relativ zeitnah eine Entlastung der Grundschule am Wald zu erreichen. 

Unsere Fraktion hatte unter anderem einen Modulbau in der Nähe der Paul-Dessau-Schule vorgeschlagen. Die Verwaltung prüft nun neben einer Lösung an der "Paula" auch die Anmietung des ehemaligen Telekom-Geländes auf dem Pulverberg. Hier könnte vielleicht auch zeitweise die Waldorfschule unterkommen, die bereits mit der Telekom erste Gespräche geführt hat. 

Wir Grünen begrüßen jede Prüfung von Vorschlägen, der schnell zu einer Verbesserung der Situation für Schüler und Lehrer führen! Dies ist um so wichtiger, weil es sehr schwer wird, den geplanten Multifunktionsbau an der Grundschule am Wald noch im Jahr 2023 fertigzustellen.

Dienstag, 5. April 2022

Grundschulkapazitäten in Zeuthen - Schluss mit dem Schneckentempo

Schon lange ist die angespannte Situation an der Grundschule in Zeuthen das dominante Thema im Ort. Nachdem sich zuletzt gezeigt hat, dass der Auftrag zum Bau des Multifunktions über einen Generalübernehmer neu ausgeschrieben werden muss, ist auch die mittelfristige Entlastung an der GSAW durch das neue Gebäude wieder in zeitliche Ferne gerückt. Aufgrund fehlender Angebote wird die Ausschreibung zeitnah wiederholt - an den Anforderungen am Gebäude wird sich nichts ändern. Hoffen wir, dass die erneute Ausschreibung mehr Aufmerksamkeit auf dem Markt bindet.

Um die zweite Grundschule im Ort -in privater Trägerschaft- schnellstmöglich zu realisieren, bedarf es auch eines gut abgestimmten Handelns vor Ort und mit unserem Partner - der evangelischen Schulstiftung. Es muss das Ziel sein, all die Herausforderungen rund um das Thema "Schule" in unserem Ort, mit mehr Effiziens anzugehen. Um hier endlich Tempo und Zielstrebigkeit in das Handeln der Gemeinde Zeuthen zu bekommen, haben wir in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung im März den dringlichen Antrag eingebracht, einen temporären Sonderausschuss "Schule" einzurichten.

Am vergangenen Donnerstag tagte der Sonderausschuss Schule nun erstmalig. Dabei wurde znächst der aktuelle Stand der Dinge seitens des Bürgermeisters berichtet. Kurz zusammengefasst waren dies folgende Punkte: Positiv ist, dass die Evangelische Schulstiftung positive Zeichen sendet, was ihr Engagement in Zeuthen betrifft. Eine entgültige Beschlussfassung durch ihre Gremien erfolgt aber erst im August 2022. 

Was unsere kommunale Unterstützung für dieses Projekt betrifft, liegt dies vor allem im Bereich der Bauleitplanung. Hierbei ist ein vorhabensbezogener Bebauungsplan geplant. Ein Aufstellungsbeschluss durch die Gemeindevertretung könnte bereits nach der Sommerpause erfolgen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Schulträger - ebenso wie unsere Fraktion seit längerem - einen Schritt zurück tritt, was den Startzeitpunkt betrifft. Die Evangelische Schulstiftung hält einen Schulstart im fertigen Gebäude nunmehr für das Schuljahr 2026/27 für möglich. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sie bereits in diesem Jahr eine Zulassung des Schulbetriebs beantragen wird und eine Eröffnung in einer räumlichen Zwischenlösung für das Schuljahr 2023/24 anstrebt. Unsere Aufgabe wird es sein, genau diese räumliche Zwischenlösung zu suchen und zu ermöglichen. Die Verwaltung dabei zu begleiten und anzutreiben, die nötigen Beschlüsse vorzubereiten oder Finanzmittel zu finden, wird die zentrale Aufgabe des Sonderausschusses in seiner nächsten Sitzung sein.

Montag, 21. März 2022

25 Amur-Korkbäume für die Maxim-Gorki-Straße

 Zuwachs für den Zeuthener Straßenbaumbestand: 25 von mir gespendete Bäume wurden in der vergangenen Woche in der Maxim-Gorki-Straße vom Bauhof fachgerecht gepflanzt. Es handelt sich dabei um eine - bislang zumindest noch - sehr seltene Art: Der Amur-Korkbaum (Phellodendron amurense)

Er stammt, wie der Name schon vermuten lässt, aus der Amur-Region im Fernen Osten Russlands. Das ausgerechnet diese Baumart hier verwendet wurde, hat seine Erklärung in zwei hier schon existierenden Exemplaren, die vermutlich in den 1980er Jahren angepflanzt wurden. Bewohner der Bungalow-Bauten in der Maxim-Gorki-Straße hatten - so erzählt man sich zumindest - gute Kontakte in die damalige Sowjetunion. In Baumschulen war die Art zu DDR-Zeiten jedenfalls offiziell nicht erhältlich.

In der Heimat kann der Baum bis zu 25m Höhe erreichen, in Mitteleuropa bleibt er in der Regel ein Baum III.Ordnung (zwischen 7 und 12m). Erst im hohen Alter bildet sich die typische Kork-Rinde. Eingewachsen ist er hitze- und trockenheitsverträglich. Die cremeweiße, eher unauffällige Blüte findet im Juni/Juli statt, also erst nach fast allen heimischen Pflanzen. Obwohl die Pollen- und Nektarwerte nur mittelmäßig sind, werden die Blüten aufgrund fehlender Alternativen von vielen heimischen Insekten gerne angenommen.

PS. Auch heute noch findet man den Amur-Korkbaum selten in Baumschule. Auch die jetzt gepflanzten Exemplare musste zunächst auf dem kommunalen Grundstück Forstweg 30 aufgeschult werden.

Sonntag, 20. März 2022

Grundschule: Es ist 5 nach 12 - Auf Antrag der Grünen wird ein zusätzlicher "Ausschuss Schule" gegründet

Die Raumsituation an der Grundschule am Wald ist bereits heute angespannt, ab 2023 wird sie nach Berechnungen der Grünen-Fraktion richtig prekär. Erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts könnte sich die Situation durch aktuell geringere Geburten- und Zuzugszahlen wieder ändern.

Für etwas Entspannung sollte ab 2023 ein Multifunktionsgebäude sorgen, in dem Mensa und Horträume vorgesehen sind (der Bau des Gebäudes wurde von der Gemeindevertretung im Juli 2017 beschlossen!). Eine deutliche Verbesserung sollte dann eine zweite Grundschule in freier Trägerschaft bewirken (Betriebsaufnahme zum Schuljahr 2024/25). Ein entsprechende Kooperations- und Fördervereinbarung  wurde im April 2021 durch die Gemeindevertretung gebilligt.

Zeitpläne sind nicht mehr zu halten

In den letzten Tagen wurde immer deutlicher, dass diese Zeitpläne nicht mehr zu halten sind. Die Ausschreibung zum Bau des Multifunktionsgebäudes muss wiederholt werden, weil kein wirtschaftlich tragfähiges und den Anforderungen erfüllendes Angebot eingegangen ist. 

Eine erneute Ausschreibung könnte nach derzeitigem Stand erst eine Übergabe zum Schuljahr 2024/25 ermöglichen, da auch Bearbeitungs- und Bauzeiten verlängert werden sollen (dies erscheint sinnvoll, um mehr Bieter für das Projekt zu interessieren).

Auch bei der zweiten Grundschule läuft nicht alles nach Plan. Termine zur Entscheidung über die Kooperations- und Fördervereinbarung wurden mehrfach verschoben, aktuell wird auf eine Sitzung der Schulstiftung im Juni verwiesen. Noch immer wird das Schuljahr 2024/25 als angestrebter Zeitpunkt für die Aufnahme des Schulbetriebs genannt. In einem fertigen Schulbau - so die Einschätzung der Grünen Fraktion - wird dies aber nicht möglich sein. Unter Annahme realistischer Zeiten für Bauleitplanung (B-Plan), Bauplanung (Baugenehmigung) und den Bau selbst befürchten wir, dass eine vollständige Fertigstellung auf der Fläche in der Schillerstraße nicht vor 2026 möglich sein wird.

Zusätzlicher Fachausschuss soll zu schnelleren Entscheidungen führen und Alternativen prüfen

Angesichts der Verschiebungen und gestiegener Unsicherheiten - auch finanziell - ist es dringend geboten, mehrgleisig zu fahren. Wir brauchen Alternativen, falls es zu weiteren Verzögerungen und Kostensteigerungen kommt. Um hier nicht immer ein Staffellauf durch verschiedene Fachausschüsse zu machen, sollen in dem von den Grünen vorgeschlagenen und nun beschlossenen temporären Fachausschuss alle Fragen gebündelt behandelt werden. Der Ausschuss kann - wenn nötig - auch 14tägig zusammenkommen, um hier zeitnah Entscheidungen vorzubereiten. In jedem Fall sollten bei allen Überlegungen die Schul- und Hortleitung und die Eltern eingebunden werden. Auch deshalb spricht sich unsere Fraktion dafür aus, den zusätzlichen Fachausschuss mit Sachkundigen Einwohnern zu besetzen.

Freitag, 18. Februar 2022

Zeuthener Heide nach langem Ringen doch noch gerettet

Als im Verlauf des Jahres 2020 der Standort südlich der Münchner Straße als Alternative für die zweite Grundschule erstmals genannt wurde, war die Grüne Fraktion sofort entsetzt. Immer wieder haben wir versucht zu erklären, warum es sich hierbei um den hochwertigsten Wald handelt und wieso die Wahl  dieses Standortes den denkbar größten ökologischen Schaden anrichtet. 

Allen Bemühungen - Debatten, schriftliche Analysen und Führungen vor Ort - zum Trotz hat sich die Mehrheit der Gemeindevertretung im September 2020 für ebendiesen Standort in der Zeuthener Heide ausgesprochen. Der berechtigte BügerInnenprotest ließ nicht lange auf sich warten. Es wurden 800 Unterschriften zum Erhalt der Zeuthener Heide gesammelt und als Petition eingereicht. Zunächst ohne Erfolg.

Von Anfang an haben wir Grünen ebenfalls auf die hoher Erschließungskosten, die von der Gemeinde zu finanzieren, hingewiesen.

Die Beharrlichkeit der EinwohnerInnen, die in einer sachlich getragenen aber dennoch emotional geladenen Einwohnerversammlung gipfelte, hat letztlich auch andere GemeindevertreterInnen und die Verwaltung umdenken lassen. So konnte nach langem Ringen mehr als ein Jahr später die Standortdiskussion doch noch einmal eröffnet werden. Wir haben dabei sehr bedauert, dass man ausschließlich Standorte östlich der Bahn in eine vertieften Umweltprüfung einbezogen hat. Westlich der Bahn hätte es im Zeuthener Winkel eine Fläche im geringwertigen ökologischen Zustand gegeben, die eine Schulrealisierung schon 2024 möglich gemacht hätte. 

Wir hätten es weiterhin für richtig gehalten, den Standort für eine zweite Grundschule in den Zeuthener Winkel zu legen, denn der jetzt gefundene Kompromiss-Standort in der Schillerstraße ist Wald, dessen Ersatz Jahrzehnte benötigt, um gleiche ökologische Funktionen zu erbringen. Dieser wird vermutlich auch nicht in Zeuthen gepflanzt werden können, da es keine geeigneten Flächen gibt. Auch wird es kaum möglich sein, hier schon eine Schule 2024 zu eröffnen. Wir halten in der Schillerstraße eher 2025 oder 26 für realistisch.

Dennoch sind wir erleichtert, dass mit dieser Entscheidung der Standort Münchner Straße endgültig zurückgenommen wurde. Trotz Lage im Wasserschutzgebiet ist der Standort westlich der Schillerstraße besser geeignet, weil deutlich weniger Fläche versiegelt wird. Zudem handelt es sich um ein Randstück - es geht kein sensibler Flächenverbund verloren.

Wir möchten den Bürgermeister beim Wort nehmen, der einen möglichst geringen Wald-Eingriff in Aussicht gestellt hat. Vor allem der im hinteren Teil der Fläche befindliche Eichenwald muss erhalten bleiben.  

Für zukünftige Projekte mit großer Tragweite für die gesamte Gemeinde ziehen wir folgende Schlüsse aus dem langen Entscheidungsprozess:

- Natur- und Klimaschutz muss als Ankerpunkt in unserer Kommunalpolitik von Anfang an berücksichtigt werden.

- Bürgerbeteiligung muss frühzeitig und ausführlich erfolgen. Die dafür investierte Zeit spart man im Nachhinein, wenn dafür Protest ausbleibt.

Es ist eine Ermutigung für die ZeuthenerInnen, dass sich ihr Einmischen lohnt. Für die investierte Kraft und Ausdauer der Bürgerinitiative zum Erhalt der Zeuthener Heide möchte wir uns bedanken.

Haushalt 2022

Mit dem von uns  in die Wege gebrachten Umdenken von Münchner zur Schillerstraße haben wir der Gemeinde Erschließungskosten von etwa einer 3/4 Mio. Euro erspart. Solch nachhaltige, wirkungsvolle Einsparmöglichkeiten lassen sich in einer 2,5 Monate andauernden Haushaltsdiskussion nicht immer finden. 

Bedeutende Einsparpotentiale - z.B. beim Energieverbrauch, durch effektivere Nutzung von Förderprogrammen oder durch eine effizientere Gebäudeunterhaltung - brauchen Vorlauf. Leider fanden 2021 unsere Bemühungen diesbezüglich bei anderen Fraktionen nicht immer die notwendige Unterstützung. Auch das Tempo bei der Umsetzung von Baumaßnahmen ist ein erheblicher Kostentreiber - man bedenke nur die erheblichen Kostensteigerungen beim Multifunktionsbau für die Grundschule.

Somit blieb uns bei der Haushaltsaufstellung 2022 als letztes Mittel nur der "Biss in den sauren Apfel", die Eröhung der Grundsteuer auf den Brandenburger Durchschnittswert. Eine Ablehnung der Steuererhöhung hätte das Finanzierungsproblem nur in die kommenden Jahre verschoben.

In den kommenden Jahren wird sich das Finanzierungsproblem weiter vergrößern. Wir möchten mit den anderen Fraktionen und der Verwaltung jetzt schon nach Lösungen suchen, wie dies verhindert werden kann - und nicht 5 Minuten vor Zwölf.

 

Mittwoch, 19. Januar 2022

Zeuthens Einwohnerzahl sinkt leicht, weiter wenig Geburten

Lange Jahre schien es ein Paradox zu sein: Die Einwohnerzahl von Zeuthen stieg und stieg, die Landesprognose (LBV-Bevölkerungsvorausschätzung*) für unsere Gemeinde sagte jedoch eine Reduktion voraus. In den 10er Jahren war die Zunahme an 0-6jährigen Kinder besonders stark (siehe http://gruene-in-zes.blogspot.com/2021/05/schulerzahlen-was-die-zahlen-der.html). Dadurch kam und kommt die Gemeinde an ihre Kapazitätsgrenzen im Kita- und Schulbereich. Nach der Kita-Erweiterung wurde ein Schulneubau in freier Trägerschaft beschlossen bzw. wird derzeit vorbereitet. Auch die Kapazitäten im Oberschulbereich könnten zeitnah an die Grenzen gelangen.

Seit 2020 scheint sich aber die Prognose des Landes zu bestätigen - zumindest sind die Zeiten der Bevölkerungszunahme (vorerst) gestoppt. Während Nachbargemeinden wie Wildau und Schulzendorf stark wachsen, stagniert die Zahl in Zeuthen. Vom 31.12.2020 bis 31.12.2021 sank sie sogar um 46, von 11487 auf 11441. 

Die genauen Gründe dafür werden sich nicht genau beziffern lassen. Dennoch lässt sich im Vergleich zu Nachbargemeinden feststellen, dass die Bevölkerung Zeuthens überdurchschnittlich alt ist (jeder vierte Bewohner ist älter als 65 Jahre, Quelle: LBV), in den letzten Jahren keine neuen (großen) Baugebiete ausgewiesen wurden und der Anteil der "un(ter)genutzten" Grundstücke deutlich kleiner geworden ist. Vor allem für Familien dürfte Zeuthen aber auch zunehmend unerschwinglich werden, wenn man auf die Entwicklung der Grundstückspreise blickt. Bei Quadratmeterpreisen von über 400Euro/m² und durchschnittlichen Grundstücksgrößen von 800m² und mehr übersteigt der Preis für das Grundstück teilweise schon deutlich den der darauf befindlichen Gebäude, teilweise sogar den für Neubauten.

Nach dem hier schon im vergangenen Jahr festgestellten Rückgang der Geburten fiel auch in 2021 die Geburtenzahl niedrig aus, wenn auch nicht ganz so drastisch niedrig. Im Vergleich zum Kalenderjahr 2016 betrug der Rückgang aber immer noch 1/3**. Die im vergangenen Jahr von mir getroffene Aussage "[...] kann in den nächsten Jahren nur mit etwas mehr als 70 Geburten/Jahr gerechnet werden." ist zumindest 2021 genau eingetroffen. 

Schlussfolgerungen

Je nach Sichtweise kann man es als durchaus positiv werten, dass die vorhandene Kitakapazität bis zum Jahr 2027 sicher ausreicht - selbst unter Annahme einer weiter hohen Kinderzuzugsrate wie zu Beginn der 2010er Jahre. Gleiches gilt für den Grundschulbereich bis Anfang der 2030er Jahre. Angesichts mehrerer Jahrgänge mit nur 3 bis 4 Zügen in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre reicht die Kapazität der Grundschule am Wald vollständig aus - eine zusätzliche kommunale Grundschule wird nicht benötigt. Dies steht in keinem Wiederspruch dazu, dass die Höchstzahl der Grundschüler erst 2023 bis 2025 erreicht wird - bis dahin bleibt es in der GSAW sehr eng. Für eine minimale Entlastung könnten (mehr) Schüler sorgen, die schon nach der 4. Klasse an ein Gymnasium wechseln, sowie Kinder, die die Zeuthener Waldorfschule besuchen - diese soll ab Schuljahresbeginn 2022/23 im Ort angesiedelt sein. Die sicherlich größte räumliche Entlastung bringt der geplante Multifunktionsbau, der 2023 fertiggestellt werden soll (ich vermute eher 2024).

Ergänzung: Einer zweizügigen Schule in freier Trägerschaft steht die Fraktion Grüne weiterhin positiv gegenüber. Die oben gemachte Aussage sollte nur verdeutlichen, dass zusätzliche kommunale Grundschulplätze bis voraussichtlich 2030 nicht benötigt werden. Ebenso setzt sich die Fraktion für die schnellstmögliche Realisierung des Multifunktionsbaus an der GSAW ein.

*Berichte der Raumbeobachtung - Bevölkerungsvorausschätzung 2017 bis 2030 bzw. 2020 bis 2030 (Landesamt für Bauen und Verkehr)

**Statistischer Bericht: Bevölkerungsentwicklung und Flächen der kreisfreien Städte,
Landkreise und Gemeinden im Land Brandenburg 2016

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